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Judith Poppe, Yousef Sweid © Schnecker, Katholische Akademie

Between the River and the Sea

Der Titel lässt zunächst irritiert aufhorchen: Zu nah scheint er einem problematischen Slogan, mit dem die Konfliktparteien im Nahostkonflikt einen umfassenden Anspruch auf das Land zwischen Jordan und Mittelmeer formulieren. Unter dem Titel „Between the River and the Sea“ verbindet der palästinensisch-israelische Schauspieler Yousef Sweid persönliche Biografie und politische Spannungen. Er erzählt von einem Leben zwischen Zuschreibungen: arabisch-christlich und jüdisch, israelisch und palästinensisch, Vater und Geschiedener, Künstler und Beobachter.

Die gemeinsam mit der Regisseurin Isabella Sedlak entwickelte Inszenierung verzichtet bewusst auf große Gesten. Stattdessen setzt Sweid auf erzählerische Präzision und einen Ton, der zwischen humorvoller Leichtigkeit und schmerzhafter Offenheit changiert. Er berichtet von seiner Schulzeit in Haifa, von Freunden in der Armee, von seinem Vater, der ihn dazu auffordert, sein Arabischsein nicht zu verleugnen, und von seinen Kindern, die in einer Umgebung aufwachsen, in der Begriffe wie Antisemitismus kaum noch vorkommen. Barfuß, ohne Requisiten und Kostüm, steht er auf einer kleinen Bühne und spricht immer wieder über die Scheidung von seiner jüdischen Frau – eine private Erfahrung, die im Kleinen zum Spiegel des Nahostkonflikts wird.

Besonders eindrücklich ist, wie Sweid alltägliche Begegnungen in prägnante Szenen überführt: das Telefonat mit der Schwester – „Hattet ihr heute Nacht Raketen?“ –, seine Rede als Schüler beim Begegnungstag jüdischer und palästinensischer Kinder oder die Frage seines Sohnes: „Baba, sind wir Hamas?“ Dabei bleibt er konsequent bei seiner eigenen Perspektive, ohne sich einfachen Zuschreibungen hinzugeben.

Gegen Ende des Abends gerät die erzählerische Leichtigkeit ins Stocken. Sweid spricht über den 7. Oktober und den Krieg – in einer mündlichen Zerfallschoreografie, einem Wechselgespräch mit seinen beiden besten Freunden: dem Juden Daniel und der Palästinenserin Salma. Beide fordern vehement, dass er sich auf ihre Seite stellt; er selbst möchte sie zugleich umarmen und davonlaufen. In diesem Moment wird deutlich, wie sehr der Abend nicht nur unterhält, sondern konfrontiert.

Das anschließende Gespräch, moderiert von Judith Poppe (taz, Berlin), mit Senior Rabbiner Dr. Gábor Lengyel und Dr. Yazid Shammout, dem Vorsitzenden der Palästinensischen Gemeinde, setzt einen Kontrapunkt. Im Mittelpunkt steht die Suche nach Gemeinsamkeiten in unterschiedlichen Lebensgeschichten, gegenseitiger Respekt und die Frage, wie jede und jeder im eigenen Rahmen zum Frieden beitragen kann. Die Situation in Hannover, so wird betont, sei in ihrer Art einzigartig: Nirgendwo sonst seien maßgebliche Persönlichkeiten beider Gemeinschaften in vergleichbarer Weise freundschaftlich miteinander verbunden.

Auf die Frage, ob er angesichts möglicher Reaktionen je am Titel gezweifelt habe, antwortet Sweid knapp: „Nein, ich habe nie Angst, wenn ich mir bei etwas sicher bin.“