|
© Momen Mostafa

Das Pfingstereignis der Katholischen Akademie

Das Pfingstereignis der Katholischen Akademie bildete den Auftakt für das neue Veranstaltungsjahr und stand unter anderem im Zeichen des aktuellen Jahresthemas Zukunft zum Trotz. Direktor Thomas Harling eröffnete den Abend und stellte in seiner Begrüßung die inhaltlichen Schwerpunkte vor, die die Arbeit der Akademie in den kommenden Monaten prägen werden. 

In seinem Impuls zum Jahresthema erklärte Pater Fabian Moos (Ukama-Zentrum Nürnberg), dass es nötig sei, sich auf den bevorstehenden gesellschaftlichen und ökologischen Kollaps vorzubereiten und, mit Blick auf christliche Werte, solidarische Gemeinschaften pflegen und aufbauen, damit man im Krisenfall anderen helfen könne. Johanna Kliegel (Wohnraumagentur Göttingen) stellte u. a. Nutzungskonzepte für Einfamilienhäuser vor. Neubau sei nicht die beste Lösung für die Wohnraumknappheit: Paaren oder Einzelpersonen in der Nachfamilienphase müssten Alternativen angeboten werden, wie bezahlbare Wohnungen oder ein Umbau des Hauses, damit dieses als gemeinschaftlicher Wohnraum genutzt werden könne. Rainer Koch (Evangelische Agentur der Landeskirche Hannovers) beschäftigt sich mit Spiritualität in der postmodernen Gesellschaft. Die postmoderne Kultur „tickt fundamental anders als die Kirche“, die auf eine Wahrheit und ihre Autorität baue. Spirituelle Begleitung bedeute heute aber, Menschen zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden und ihre Wahrheit erfahrbar zu machen. Als Anne Vaupel-Meier ihre Stelle im Grenzmuseum Schifflersgrund antrat, hatte sie nur ihre „Schulbuchperspektive“ auf die deutsch-deutsche Geschichte. In ihrer Arbeit verbinde sie nun diese Perspektive mit den Perspektiven auf Geschichte, Natur und Zukunft, die im Grenzmuseum zutage treten, und die persönlichen Erfahrungen der Besuchenden. Antonia Josefa trug eine Spoken Word Performance mit dem Titel „Sei wie das Veilchen im Moose“ vor, mit der sie Frauen dazu ermutigte, sich ihren Raum und ihre Stimme zu erobern; auch für die Frauen der Geschichte, deren Arbeit von Männern gestohlen wurde.

Der Abend warf auch einen Blick zurück auf ein Projekt, das mit dem Pfingstereignis seinen Abschluss fand. Dirk Preuß (Umweltteam des Bistums Hildesheim) gab Einblick in die Entstehungsgeschichte von WE WILL WIN, einem Kunstwerk, das sich als Kommentar auf den ewigen Konflikt zwischen Mensch und Natur versteht. Die in Stahlrahmen gefassten Pflanzen führen den Überlebenskampf der Natur vor Augen, indem sie ständig über ihre Begrenzung hinaus wachsen und beschnitten werden müssen. Die finnische Künstlerin Tea Mäkipää erklärte im Gespräch mit Carina Plath (Stabsstelle Kunst im Öffentlichen Raum, Landeshauptstadt Hannover), dass die Natur „gewinnen“ anders definiere als der Mensch, nämlich als Überleben und Fortpflanzen, statt als Deutungshoheit über die Geschichte. Schließlich pflanzte das Projektteam den letzten Buchstaben, das I, in das Beet vor dem Tagungshaus der Katholischen Akademie, und übergab das Kunstwerk so an seinem finalen Standort an die Öffentlichkeit.

Der Abend machte deutlich, welche Relevanz das Jahresthema für aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen besitzt und weckte Interesse an den kommenden Veranstaltungen der Akademie.