Als Gastgeberin und Kooperationspartnerin durfte die Katholische Akademie des Bistums Hildesheim erneut den dritten Fachtag gemeinsam mit der Initiative Polizeischutz für die Demokratie und der Polizeiseelsorge zum Thema gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausrichten, diesmal mit dem Schwerpunkt Klassismus und Polizei.
Klassismus als gesellschaftliche Herausforderung
Im Mittelpunkt stand der soziologische Begriff des Klassismus, der Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund sozialer Herkunft oder ökonomischem Status beschreibt. Als unabhängige Bildungseinrichtung in kirchlicher Trägerschaft versteht sich die Katholische Akademie als Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven auf Basis christlicher Werte – insbesondere der Achtung der Menschenwürde – zusammengebracht werden. Genau diese Haltung macht den Dialog zwischen Polizei, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu einem zentralen Anliegen unserer Arbeit.
Gemeinsame Verantwortung für demokratische Kultur
Organisiert wurde der Fachtag von den Demokratiepatinnen und -paten der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen, des Landeskriminalamtes Niedersachsen sowie der Polizeidirektionen Hannover und Göttingen in Kooperation mit der Katholischen Akademie und der Katholischen Polizeiseelsorge. In ihrer Begrüßung betonte Tanja Wulff-Bruhn, Polizeipräsidentin der Polizeidirektion Göttingen, ihr hohes Vertrauen in das polizeiliche Handeln ihrer Mitarbeitenden – zugleich unterstrich sie die Notwendigkeit fortwährender Reflexion. Wichtig sei, sich die kritische Frage zu stellen, ob in der täglichen Arbeit jede und jeder im Kontakt mit der Polizei die gleiche Würde erfahre – unabhängig von der Funktion der Beamt*innen. Wer mit Erfahrungswissen und Gefahrenprognosen im Hinterkopf arbeite, müsse reflektieren, was dies mit den Menschen mache, denen die Beamt*innen begegnen.
Impulse aus Wissenschaft und Praxis
Den fachlichen Einstieg gab Professorin Miriam Yildiz von der IU Internationalen Hochschule (Fachgebiet Sozialwissenschaften und Soziale Arbeit), die mit anschaulichen Beispielen ins Thema einführte. Eine polizeiliche Ansprache, die professionell und sachlich intendiert war, könne als herablassend und distanziert empfunden werden, wenn das eigene Kommunikationsverhalten eher emotional und körperbetont geprägt sei.
Das anschließende Podiumsgespräch widmete sich konkreten Fragen zur Situation in Wohnquartieren in Göttingen und Hannover sowie zu Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Für die Erweiterung des polizeilichen Blickwinkels sorgten persönliche Einblicke von Vertreterinnen der Caritas Hannover, vom Straßenmagazin „Asphalt“ (Hannover) und vom Quartiersbüro Nördliche Innenstadt Göttingen. Die Diskutantinnen hatten konkrete Empfehlungen für die Zuhörenden: Gleichbehandlung, so stelle es Lisanne Püschel vom Asphalt Magazin heraus, bedeute manchmal, mit dem gleichen Ziel zu behandeln, nicht unbedingt auf die gleiche Art. So sei eine persönlichere, wenngleich respektvollere Ansprache, von Straßenverkäufer*innen oft zielführender, als die standardisierte professionelle Ansprache.
Menschliche Geschichten im Fokus
Der literarische Impuls aus dem von zahlreichen Umbrüchen geprägten Leben des Hannoveraner Streetworkers Sascha Z zeigte die Perspektive einer von klassistischen Zuschreibungen betroffenen Person im Umgang mit der Polizei. In seinem Roman „Immer mitten in die Fresse rein!“ verarbeitet Z. auch seine Erfahrungen von Gewalt und Ungleichbehandlung durch Polizeibeamte in den 80er Jahren in Hannover, die die Zuhörer*innen sichtlich bewegten und in den folgenden Workshops weiter diskutiert wurden.